Ueber einen am 12. Sept. in Rehna stattgehabten Unglücksfall wird dem M. A. berichtet: Die etwa 12jährige Tochter des hiesigen Wassermüllers B. begab sich heute Mittag im jugendlichen Frohsinn in die Mühle, stieg auf den mit Korn gefüllten Rumpf und bückt sich, um ein Körnchen herauszuholen. Zum Schrecken der Anwesenden ergreift die nicht weit vom Rumpfe senkrecht stehende, vom Boden kommende und in das Wasser hinabreichende eiserne Welle die Kleider des armen Mädchens und schwingt dieses gewaltsam im Kreise mit herum, den Kopf gegen den Rumpf stoßend. Die Unglückliche lag besinnungslos da und hatte natürlich arge Verletzungen davongetragen. Edle Theile sind, wie wir hören, am Kopfe nicht geradezu verletzt, jedoch können die Folgen der furchtbaren Erschütterung doch sehr gefährlich werden. Der eine Arm ist so stark verletzt, daß Hr. Dr. Barck sofort eine Operation hat vornehmen müssen. Die Rettung des armen Kindes soll sehr zweifelhaft sein.
Bartenhagen Hof XII
Über den Hof XII liegen aus älterer Zeit keine Angaben vor. Es heißt noch zu Beginn des 18.Jahrhunderts, dass der Hof „wüst“ sei als einziger in Bartenshagen. Dann fand sich der Jacob Hagemeister 1747 als Pächter dieses Hofes ein, ihm folgte Hans Hagemeister. Über dessen Sohn Johann Jochim wissen wir aber eine Menge, denn er hatte sich während der Zeit des Hofdienstes 1765 in der Roggenernte mit dem Doberaner Amtmann Pätow angelegt. Der Hofdienst war für Bauern eine Bürde, über die sie sich jedes Jahr, besonders in der Erntezeit, wieder ärgerten. Seitdem die Bauern 1621 ihre Besitzurkunden von ihren Höfen vorweisen sollten – keiner war mehr im Besitz dieser Urkunden – da wurden sie zu Pächtern ihrer einst eigenen Höfe erklärt und mussten sozusagen die Pacht abarbeiten: 6 Tage in der Woche pro Hof 2 Mäher und 2 Binderinnen stellen, die vom Sonnenaufgang bis -untergang auf dem Kammerhof in Doberan arbeiten mussten! Dabei blieb die eigene Wirtschaft auf den Schultern der Alten und der Kinder liegen!
Als die Mägde des Kammerhofs beim Brotbacken waren und die Bartenshäger Mägde deren Garben mit aufbinden sollten, weigerten sie sich. Johann Jochim Hagemeister galt als Anführer dieser Widersetzlichkeit und sollte verhaftet werden. Er wehrte sich mit seiner Sense, aber die Wachen des Kammerhofs überwältigten ihn. Im Prozess bekam er als Strafe: 4 Wochen Karrenschieben in Dömitz, im neu eingerichtetem Zuchthaus, d.h. er musste lebensgefährliche Arbeiten wie Brückenbau verrichten. So eine Strafe erhielt ein Gutsbesitzer, wenn er einen Tagelöhner erschlagen hatte! Außerdem wurde ihm noch ein Eisenring um den Hals geschmiedet, den er lebenslang tragen musste, aber J.J. Hagemeister nicht. Wahrscheinlich verletzte er sich während dieser 4 Wochen am Bein, denn später wird er als „Schneider“ bezeichnet.
Der Name Westphal taucht auf dem Hof XII 1768 und 1807 auf, Johann Jochim 1794, 1802 übernimmt Heinrich Allwart als Interimswirt diese Stelle, 1855 folgt ein “Winter“. Vom letztgenannten kaufte der Urgroßvater von Jochen Uplegger den Hof und vererbte ihn an seine Enkelin Hertha, die Jochens Vater heiratete.
Die Gebäude, die auf dem Titelbild abgebildet sind, könnten größtenteils aus dem 18.Jahrhundert stammen. Das im Hintergrund zu sehende Niederdeutsche Wohnhaus mit ehemals Wohnung, Stall und Heuboden unter einem Dach, ist noch als Durchfahrtshaus errichtet worden. Die Torscheune im Vordergrund war typisch für Bartenshagen, sie fehlte ursprünglich bei keinem Hof, sie enthielt eine kleine Wohnung und Stallungen.
H.Sauder, Originalartikel “Parkentiner Nachrichten”, August 2008
Rostock – Die Stadt der sieben Türme
Zur Abwechslung mal eine Dokumentation über Rostock aus dem Jahre 1936. Da der Film drei Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg spielt, ist er erfreulicherweise mal nicht nationalsozialistisch angehaucht. Vielleicht erkennt ja jemand irgendetwas oder irgendwen wieder.
Bartenshagen Hof XI
1312 saß auf Hof XI wahrscheinlich Hermann Westphal. Er verlor durch den Raubzug der Rostocker 1 Pferd, 3 Kühe, 16 Schafe und 17 Mark. 1651 wird hier Baltzer Krull genannt, der 1663 verarmte. Es folgt Heinrich Beese, 1674 schon verstorben. Seine Witwe heiratet 1675 Hans Stoisloff, der 1676 an der Pest stirbt, ebenfalls seine Frau und 3 Kinder. Es folgt 1676 Jochim Beese, 1713 Ernst Beese, ihm folgt 1729 sein Schwager Jochim Reincke, 1758 Jochim Jürß, dieser hatte 8 Pferde, 2 Füllen, 4 Ochsen, 4 Kühe, 6 Jungrinder, 8 Ferkel, 10 Schafe und 3 Lämmer. Die Anzahl der Zugtiere war damals so hoch, weil die Bauern Äcker des Doberaner Kammerhofs mitbestellen mußten (Hofdienstzeit).
1787 folgt Peter Jürß, der Hofdienst war inzwischen aufgehoben. 1815 wurde in Bartenshagen die Leibeigenschaft aufgehoben. Zu den jetzt „freien“ Bauern gehört 1824 Hans Joachim Jürß. 1862 gibt es hier Joachim Jürß, 1876 Hans Joachim Peter, 1906 verstorben, als Erbpächter. Dann folgt der erste Heinrich Jürß, der Jahre hindurch Dorfschulze war. Danach übernimmt 1952 den Hof der Vater des jetzigen Albrecht Jürß.
Durch eine Befragung des Niederdeutschen Beobachters von 1938 erfahren wir, dass die Vorfahren dieser Bauernfamilie nach Aufhebung des Hofdienstes 1778 und der Leibeigenschaft 1815 begannen Segelschiffe Rostocker Kaufleute jeweils für mehrere Wochen Fahrt mit Proviant auszurüsten. Kam das Schiff dann mit guter Fracht und unversehrt in den Heimathafen zurück, so erhielt der Bauer, der die Ausrüstung besorgt hatte, ein gut Teil von dem Gewinn. Wahrscheinlich haben die anderen Bartenshäger Bauern ebenfalls auf diese Weise ihr Einkommen aufgebessert. Davon wusste ja auch der Schweriner Großherzog. Deshalb hatte er ja die Bartenshäger Bauern um finanzielle Hilfe gebeten, als er in Altona wegen Spielschulden inhaftiert worden war. Dass es den Bartenshäger Bauern Ende des 18., Anfang des 19.Jahrhunderts wirtschaftlich etwas besser ging, da hatten doch schon einige böse Zungen behauptet, dass sie die Kriegskasse der Franzosen gestohlen hätten!
Auf Hof XI fand jedoch der Großvater von Albrecht Jürß beim Ausschachten eines Lochs für einen Zaunpfahl eine Kanonenkugel von der Schlacht 1813 bei Retschow. Das beweist, das die Kampfhandlungen Auswirkungen bis hier hatten. Diese Kanonenkugel bewahrte der Lehrer Herholz in der Heimatstube der Bartenshäger Schule neben vielen anderen Gerätschaften auf. 1945 kamen alle hier aufbewahrten Exponate nach Bad Doberan und wurden Privatpersonen zur Aufbewahrung überlassen. Davon ist natürlich bis heute nichts wieder aufgetaucht!
H.Sauder, Originalartikel “Parkentiner Nachrichten”, Juni 2008
Bartenshagen Hof X
Auf Hof X saß 1312 wahrscheinlich der Henricus, der bei dem Raubzug der Rostocker 4 Pferde, 6 Kühe, 12 Schafe und 36 M verlor. Dann taucht der Name Waacke auf, 1656 Peter Saß, 1684 Hinrich Saß. Steffen Rumberg wirtschaftete den Hof ziemlich runter, deshalb setzten die Doberaner Beamten ihn ab und boten Bartholomäus Trempe aus Rethwisch 1698 den Hof X an. Dieser Name bleibt mit dem Hof fast ununterbrochen verbunden bis Mitte des 20. Jahrhunderts. 1731 Jochim Tremp, 1740 und 1768 Hinrich Tremp, 1789 heiratete Hans Schwark die Elisabeth Tremp, es folgt 1855 Jochim Trempke, Hufenpächterin Maaß ohne Jahreszahl, schließlich Johann und Hans Tremp, der während des 3.Reiches Ortsbauernführer und Bürgermeister war.
1943 verfaßte der damalige Lehrer Herholz als Soldat ein Gedicht, in dem die Bartenshäger Bauern mit ihren Macken und alle der Reihe nach drankommen, natürlich auch Hans Tremp. Damals war die Dorfstraße noch nicht durchgängig gepflastert und deshalb Dorfgespräch:
Korl Hamann warnt vör’n Dammbu sihr,
he meint, dat bringt tau väl Verkiehr,
un in dat Dörp de Städter blot,
ok jagens uns all de Häuhner dot!
Doch Tremp, de Bürgermeister hier,
de wier för Fortschritt ümmer sihr,
de Jerst in’n Landbund, dat wier hei,
wier ok de Jerst in de Partei.
He hett vör’n Düwel sick nich schugt,
as Einzigst ok’n Silo bugt,
ok renoviert sin’n ollen Katen
un will von Dammbu nich mihr laten.
Doch möt ick segg’n, ok iernste Saken
wiern in den Dörpkraug aftomaken.
Wenn Tremp, de Bürgermeister wier,
sin Börgers ded versammeln hier
un sick mit ehr beraden wull,
denn kregen’s oft sick in de Wull!
Denn harr Korl Hamann naug tau räden,
dat allens afgüng in Fried un Fräden.
Uns Tremp is all’n hoges Diert,
in Schwaan hett früher he studiert.
Mit Postens is he gaud verseihn,
he is ok jo noch fix tau Bein.
Un Räden höllt he gor all Schrienomaschin!
’n Fell hett he as’n Elefant,
dat höllt woll jeder Kugel stand!
Un harr he’t nich, du leiwer Tied,
he keem vör Arger nich tau wiet!
Nach Kriegsende wurde er abgesetzt und sein Hof an Neusiedler vergeben. Durch Kinder brannte die Scheune etwa 1970 ab. Wo der Katen stand, bauter einer der Neusiedler ein Haus, das jetzt modernisiert wird.
H.Sauder, Originalartikel “Parkentiner Nachrichten”, Mai 2008
