Ortsfamilienbuch "Lambrechtshagen"

Detailliste

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2136 Susemihl
Hans Friedrich Wilhelm Martin «aus 2122» , 5. Jun 1888 Lambrechtshagen, 24. Jun 1888 Lambrechtshagen, 12. Dez 1972 Emden, Niedersachsen, Emden, Niedersachsen
Schiffszimmermann, vor 1908, Rostock, Koord: N54,083333, E12,133333 , Schiffszimmermann, nach 1908, Emden, Niedersachsen , Betriebsratsvositzender (Nordseewerke), nach 1918, Emden, Niedersachsen , Geschäftsführer (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund), von 1927 bis 1933, Emden, Niedersachsen , Ratsmitglied, von 1927 bis 1933, Emden, Niedersachsen , Schiffszimmermann (Schiffswerft Cassen), nach 1933, Emden, Niedersachsen , Oberbürgermeister, von 1946 bis 1952, Emden, Niedersachsen , Geschäftsführer (Deutscher Gewerkschaftsbund, Kreisausschuß Emden), nach 1946, Emden, Niedersachsen , Oberbürgermeister, von 1956 bis 1964, Emden, Niedersachsen
Hans Friedrich Wilhelm Martin SUSEMIHL
geb. 5.6.1888 Lambrechtshagen (Mecklenburg)
gest. 12.12.1972 Emden
Politiker
konfessionslos
(BLO IV, Aurich 2007, S. 408 - 409)

Hans Susemihl wurde als Sohn des Arbeiters Johann Joachim Susemihl und dessen Ehefrau Maria, geb. Eberhard, in Lambrechtshagen in Mecklenburg geboren. Er besuchte in Rostock die „Vorstädtische Knabenschule", und anschließend erlernte er auf der Schiffswerft „Neptun" in Rostock den Beruf des Schiffszimmermanns. Nach der Gesellenprüfung ging er zur weiteren Berufsausbildung auf Wanderschaft. 1913 heiratete er in Emden die Netzstrickerin Pietje van der Zwaarg. Aus der Ehe entstammt eine Tochter.

Hans Susemihl hat wie wenige andere die Arbeiterbewegung in Emden seit 1918 und die Stadtgeschichte Emdens nach 1945 geprägt. Im Jahre 1907 trat er der Sozialdemokratischen Partei bei, 1908 der Freien Gewerkschaft. Im gleichen Jahr ließ er sich in Emden nieder. Erst nachdem die Zahlung eines „Bürgergeldes" für die Erwerbung des Bürgerrechtes abgeschafft war, wurden nach den Novemberunruhen 1918 viele vom Bürgerrecht ausgeschlossene Arbeiter Bürger ihrer Stadt. Hans Susemihl wurde in die Bürgerliste Anfang 1919 eingetragen.

Die Arbeiterbewegung hat sich in Ostfriesland recht spät entwickelt. Die SPD gründete sich in Emden erst 1902. Das für Ostfriesland neue und vor allem auf dem Lande auch Schrecken erregende sozialdemokratische Gedankengut wurde von wandernden und nach Emden zugewanderten Handwerksgesellen verbreitet. Sie kamen aus Pommern, Holstein, Schlesien und eben, wie Hans Susemihl, aus Mecklenburg.

Er fand Arbeit auf den „Nordseewerken" und betrieb die gewerkschaftliche Organisation der Werftarbeiter. Von einer Mitwirkung Susemihls im „Arbeiter- und Soldatenrat" im November 1918 ist in dem spärlichen historischen Material nichts nachgewiesen, er war aber wohl schon zu dieser Zeit zum Vorsitzenden des Betriebsrates der Nordseewerke gewählt. Von 1927 bis 1933 war er Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Ortsverwaltung Emden. In der gleichen Zeit war Susemihl Bürgervorsteher (Ratsmitglied) der Stadt Emden. Während der Machtübernahme der NSDAP wurde er von den Nationalsozialisten in kurzer Haft zur Herausgabe der Kasse des Gewerkschaftsbundes und aller Unterlagen gezwungen und als Geschäftsführer
abgesetzt. Er arbeitete danach bei der Emder Schiffswerft Cassens. Hans Susemihl gehörte zu den wenigen prinzipientreuen und mutigen Menschen, die trotz allem mit Schikanen aus geübtem Druck außer der „Deutschen Arbeitsfront" keiner NS-Organisation beigetreten sind.

Nach der Kapitulation 1945 betrieb Hans Susemihl sofort den Wiederaufbau der Gewerkschaftsbewegung in Emden, seit dem 1. Mai 1946 als deren Geschäftsführer und auch als Vorsitzender der ostfriesischen Gewerkschaftsorganisation. Vom 1. Mai 1946 bis zum 31. Oktober 1955 war er dann Geschäftsführer des neuentstandenen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Kreisausschuß Emden-Norden. Nachdem Georg Frickenstein und anschließend Egon Rosenberg von der britischen Besatzungsmacht eingesetzte Oberbürgermeister gewesen waren, wurde Susemihl am 30. Oktober 1946 der erste gewählte Oberbürgermeister Emdens nach dem Kriege und stand danach mit Ausnahme von vier Jahren (1952-1956) in den entscheidenden Aufbaujahren bis 1964 an der Spitze der völlig zerstörten Stadt. In seiner Zeit leistete die Emder Bürgerschaft den Wiederaufbau der Stadt. Mit dem Namen Susemihl verbindet sich die Ne
ugestaltung der Kernstadt, die Wiederherstellung der schulischen, sozialen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Emdens. Er setzte auch gegen beträchtliche Widerstände den Bau des damals großen Emder
Krankenhauses durch, das heute seinen Namen trägt. Auch für die Ansiedlung des VW-Werkes hat er sich starkgemacht.

Hans Susemihl wurde für seine Verdienste um Emden 1958 mit dem Bundesverdienstkreuz und 1963 mit der Niedersächsischen Verdienstmedaille ausgezeichnet.

Quellen: StadtA Emden, Ratsprotokolle.
Literatur: 75 Jahre SPD Emden, [Emden 1977] (Portr. S. 72); Ernst Siebert/Walter Deeters, Bernard Schröer, Geschichte der Stadt Emden (Ostfriesland im Schutze des Deiches, 7), Leer 1980, S. 443 (Portr.); Marianne Claudi/Reinhard Claudi, Goldene und andere Zeiten, Emden 1982; Günther Hummerich, Handbuch zur Geschichte des Rates der Stadt Emden 1945-1985. Daten, Zahlen, Fakten, Emden 1985.
& 1913 Emden, Niedersachsen
 van der Zwaag, Pietje , 24. Feb 1888, 10. Apr 1975 Emden, Niedersachsen, Emden, Niedersachsen


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Sebastian Masch, Stäbelow
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Erzeugt am 22. Dez 2024 mit Ortsfamilienbuch © von Diedrich Hesmer
basierend auf Daten aus "ofb_u.ged"