Schlagwort-Archive: Warnemünde

Zum Tode von Catharine Krempien verh. Rütgardt

Den 19ten Junius hat Claus Rütgardt in Großen-Klein seine Ehefrau, welche vier Wochen nach der Entbindung gestorben, begraben laßen.
Es graßierte damahls hieselbst die Vieh-Seuche und Großen-Klein war noch frey. Diese Leute durften also hier nicht her kommen weder zur Kirche noch sonsten und unsere Leute auch nicht dorthin. Von der Obrigkeit war die Order gegeben daß die Großen-Kleinschen Leute die Leiche bis ans Kreuz bei der alten Warnau bringen und von den Warnemündern alsdann abgehohlet und zu Grabe gebracht werden sollte. Aber die Warnemünder weigerten sich theils weil sie sich dazu nicht verkunden hielten, obsgelich von ihrer Obrigkeit befohlen war theils weil die Frau wie man sagte, am Flekfieber gestorben und die übrigen im Hause auch daran krank liegen solten. Sie schickten daher etliche Ältesten nach Rostock, welche dann keine freundliche Antwort erhalten, sondern diese, daß sie die Leiche bey Strafe der Execution begraben solten. Nun geschähe es und zwar des morgens um 8 Uhr. Sie hohlten die Leiche vom Kreuz, legten sie an der Tränke beym Kirchhofe aus und trugen sie so gleich ins Grab. Die Glocken wurden geläutet aber von der Schule auhs gesungen und von niemanden die Leiche begleitet. Es konte der Umstände wegen auch nicht anders seyn.

Quelle: Kirchenbuch Warnemünde

Sturmflut im Januar 1694

Den 10. Januarii ist durch einen Nord-Osten Wind das Wasser so hoch gestiegen, das es in der Wedemen und in der Stuben gestanden. Ställe, Kammern und Häuser angefüllet, die Leute auff den Graben aus ihre Häusern getrieben, die Häuser sehr zernichtet durch das große Eyß. Und hat am Bolwerck und an den Dühnen sehr großen Schaden gethan. Die Schiffe im Haven zerstoßen, gesencket, gesplittert und gahr weggenommen da man auch von einem Schiff [nicht] hat erfahren können, wo es geblieben. In Summe große Noht und Elend ist zu sehen gewesen.

Quelle: Kirchbuch Warnemünde

Unwetter in Mecklenburg im Dezember 1703

Anno 1703. den 8.Decemer ist durch einen heftigen Sturm und Süd-Wasser Wind nicht allein zu Warnemünd ein großer Schaad zu Warnemünd an allen Häusern geschehen. Auch der Kirchturm beschädiget, sondern es sind auch viel Städte, Dörffer und Kirchen so allein im Lande Mecklenburg, sondern auch weit und breit hard beschädigt, auch Kirch, Schuhlen Häuser eingeworffen, zerfallen und niedergerißen; auch die Kirche zu Sanct Nicolaus in Rostock hat ihren Turm verlohren, und ist abgewehet, doch gotlob nicht mehr alß ein Kind darunter tot geblieben und zerschlagen.

Quelle: Kirchbuch Warnemünde

Ungewöhnliches Sternschießen über Warnemünde

Den 10.November 1732. Von 3 bis 5 Uhr des morgens war so ein ungewöhnliches Stern-Schießen, daß fast kein Stern am Himmel gewesen, der nicht einen Strahl gelaßen. Etliche Strahlen blieben einige Minuten an den Stern hängen und krümten sich schlangenweise herum und fielen so dann herunter. Es war erstaunlich anzusehen, weil der Himmel und die Luft voller Feuer war, indem Strahl auf Strahl folgete, so daß es licht und Helle ward.

Quelle: Kirchbuch Warnemünde

Ein arabischer Fürst in Rostock

Unter die merckwürdigen Begebenheiten hiesigen Ortes habe auch mit annotieren wollen, daß anno 1731 zu Anfange des Mai ein Emir oder Arabischer Fürst in Rostock, nachdem er vorher unseren Landesherrn zu Schwerin und dessen Herrn Bruder, Herzog Christian Ludwig zu Arnsstadt die Cour gemacht, angekommen. Selbiger ist, nachdem er in Rostock einige Tage und auch hieselbst sich einige Wochen aufgehalten, mit einem Schiffe nach Copenhagen abgegangen. Der gantze Comitat bestand aus einem Laquay, der in Hamburg angenommen worden, weil die übrigen von seiner Suite theils in Amsterdam und Hamburg gestorben, theils kranck zurück geblieben, und einen Dolmetscher der auch alhier in Warnemünde am Fieber kranck gelegen.

Er war sonst eine ansehnliche Person, groß, starck und lang, von schwartzen Haaren, mit einen schwartz-gelben Angesicht, dabey von freundlichen und liebreichen Wesen. Trug ein rohtscharlachen Kleid auf türckische Weise. Seine Intention war, durch Schweden, Moscau und Persien wieder in sein Land zu gehen. Er bekandte sich zur christlichen und zwar griechischen Religion, weil ihm ein Theil vom Berge Libano zugehörte. Sein Nahme war: Abu Genblat Nessar Abaisoi er Chessaan.

Quelle: Kirchbuch Warnemünde